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Klimaschutz: Sind wir alle Öko-Heuchler? Klaus Töpfer versus Harald Welzer

Das Klima zu schützen, halten viele Deutsche für eine gute Idee. Theoretisch zumindest. Kaum einer bestreitet, dass es gut wäre, weniger Auto zu fahren, seltener zu fliegen und generell beim Konsum auf die Bremse zu treten. Doch sobald es konkret wird, machen die meisten einen Rückzieher. Meinen wir es in Wirklichkeit also gar nicht so ernst mit dem Kampf gegen die Erderwärmung? Anlässlich des Weltklimagipfels in Bonn diskutierte Ralf Krauter darüber in der Deutschlandfunk-Sendung ‚Streitkultur‘ mit Ex-Umweltminister Klaus Töpfer und dem Soziologen Harald Welzer.

„Glyphosat war und ist zu billig“

Eine Behörde der Weltgesundheitsorganisation kam 2015 zu dem Schluss, Glyphosat sei „wahrscheinlich krebserregend“. Eine andere WHO-Behörde dagegen befand daraufhin, es sei unwahrscheinlich, dass das Pflanzengift für Menschen ein gesundheitliches Risiko darstelle. Eine Einschätzung, der sich das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA und dann auch die EU-Chemikalienagentur ECHA angeschlossen haben. Obwohl Glyphosat bei korrektem Gebrauch also vermutlich keine Riesenbedrohung darstellt, haben über 1,3 Millionen Menschen eine Petition gegen eine Verlängerung der EU-Lizenz unterzeichnet. Die EU-Parlamentarier in Straßburg haben deshalb gestern mehrheitlich gefordert, den umstrittenen Unkrautvernichter in spätestens fünf Jahren aus dem Verkehr zu ziehen. Doch das letzte Wort hat die EU-Kommission. Und die hat das heiße Eisen heute einmal mehr vertagt.

Dr. Horst-Henning Steinmann arbeitet am Zentrum für Biodiversität und nachhaltige Landnutzung der Universität Göttingen und kennt sich mit den Chancen und Risiken von Glyphosat gut aus. War er überrascht, dass die EU-Kommission ihr Verdikt schon wieder verschoben hat?

Deutschlandfunk, Forschung Aktuell, 25.10.2017