Kurzbeiträge

Wie funktioniert Quantenteleportation? Mit welchen Materialien lässt sich Sonnenwärme am effizientesten speichern? Und warum gelten Scramjets unter Experten als die Raumfahrtantriebe der Zukunft? Kurzbeiträge in den Wissenschaftssendungen von Deutschlandradio und ARD-Hörfunksendern liefern Antworten in vier Minuten.

Eine Liste ausgewählter Stücke der letzten Jahre zum Nachhören:

Kritik der Lungenfachärzte an NOx-Grenzwerten ist unbegründet

Der Schweizer Experte für Gesundheitsrisiken durch Luftschadstoffe, Professor Nino Künzli, hat die Initiative deutscher Lungenfachärzte gegen Grenzwerte im Deutschlandfunk kritisiert. Keiner der 112 Unterzeichnenden hätte Expertise auf dem Gebiet der Epidemiologie, sagte er im Interview: „Das sind alles Laien.“ Ihr Positionspapier sei daher „unwissenschaftlich“, ihre Vorwürfe nicht fundiert.

Üble Nachrede bleibt hängen – und beeinflusst unser Urteil mehr als uns lieb sein kann

Forscher am Institut für Psychologie der Berliner Humboldt-Universität haben die Gehirnaktivität von Versuchspersonen erfasst, während diese Informationen mit negativen oder neutralen Inhalten zu ihnen unbekannten Gesichtern erhielten. Als die Probanden im Anschluss gebeten wurden, die Unbekannten zu beurteilen, stellte sich heraus: Ihr Verdikt fiel oft überraschend hart aus – obwohl ihnen bewusst war, dass es allein auf Gerüchten basierte. „Trotz weicher Evidenz fällen wir oft harte Urteile“, erklärt die Neurowissenschaftlerin Prof. Rasha Abdel Rahman im Dlf-Interview.

Generationsunterschiede? Existieren gar nicht, sagt ein Soziologe aus Marburg

Ob Generation X oder Y, ob 1968er oder Baby-Boomer – in ihren Lebenszielen und Wertvorstellungen unterscheiden sich die Angehörigen dieser Altersgruppen kaum. Zu diesem Schluss kommt der Soziologe Prof. Martin Schröder von der Universität Marburg in einer großangelegten Studie. Sind die viel zitierten Generationsunterschiede also nur eine Mär? Ist die Differenzierung zwischen Babyboomern, 68ern, und Mitgliedern der Generationen X und Y soziologisch gesehen Kokolores? Das habe ich Martin Schröder im Dlf-Interview gefragt.

Brain Gain: Der Quantenphysiker Ignacio Cirac

Der Spanier Ignacio Cirac gilt als Wegbereiter der zweiten Quantenrevolution: Seine Arbeiten legten den Grundstein für wegweisende Experimente zu Quantencomputern und Quantenkryptographie. Nach München zog er, weil das Max-Planck-Institut in Garching, an dem er forscht und Direktor ist, „vermutlich der beste Ort auf der Welt ist, um Quantenphysik zu machen.“ Für die Deutschlandfunk-Sendereihe ‚Brain Gain‘ über ausländische Spitzenforscher in Deutschland habe ich den Quantenphysiker porträtiert. Brain Gain: Der Quantenphysiker Ignacio Cirac weiterlesen

Brain Gain: Der Kosmologe Eiichiro Komatsu

Seit 2012 ist Prof. Eiichiro Komatsu Direktor am Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching. Schon als Kind wusste der Japaner, dass er Astronom werden möchte. Heute hält er manchmal inne und ist überrascht, dass er für das, was er liebt, auch noch bezahlt wird. Für die Deutschlandfunk-Sendereihe ‚Brain Gain‘ habe ich den Spitzenforscher gefragt, wie es ihn nach Deutschland verschlagen hat. Seine Antwort: „Meine Frau hat mich eines Tages gefragt: Warum suchst Du Dir keinen Job in München?“ Hat er dann gemacht.
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10 Jahre Weltraumlabor ‚Columbus‘: „Europas Eintrittskarte zur ISS.“

Ursprünglich sollte es mal doppelt so groß werden – am Ende reichte das Geld nur für eine Sparversion. Aus Sicht der europäischen Raumfahrtorganisation ESA hat das Forschungsmodul ‚Columbus‘, das vor 10 Jahren an die Internationale Raumstation ISS angedockt wurde, dennoch seinen Zweck erfüllt. Der Physiker und Ex-Astronaut Reinhold Ewald war maßgeblich an Planung und Organisation des Betriebs von Europas Weltraumlabor beteiligt. ‚Columbus‘ war unsere Eintrittskarte zur ISS, erklärte er mir Interview für den Dlf. Größe allein sei schließlich kein Erfolgskriterium.

Forschungstrends 2018: Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer im Gespräch

Im Jahr 2017 waren bei der Fraunhofer-Gesellschaft von 103 Institutsleitern gerade mal fünf Frauen. „Damit bin ich absolut nicht zufrieden“, sagte Fraunhofer-Präsident Prof. Reimund Neugebauer im Dlf-Interview. Der studierte Maschinenbauer und langjährige Automobilingenieur ließ deshalb ein millionenschweres Förderprogramm auflegen, um vermehrt Frauen in Führungspositionen zu bringen. Zum Einstieg des Gesprächs über die ‚Forschungstrends 2018‘ blickte er aber zunächst zurück auf die größten Erfolge der Fraunhofer-Gesellschaft im vergangenen Jahr, die an 72 Forschungsinstituten rund 25.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Forschungstrends 2018: Max-Planck-Präsident Martin Stratmann im Gespräch

84 Forschungsinstitute, 1,63 Milliarden Euro Jahresbudget, 23.000 Mitarbeiter – davon 14.000 im wissenschaftlichen Bereich: Das sind die Eckdaten der Max-Planck-Gesellschaft, deren Präsident der Materialwissenschaftler Prof. Martin Stratmann ist. Für die Dlf-Sendereihe ‚Forschungstrends 2018‘ habe ich mit ihm zum Jahresauftakt über die großen forschungspolitischen Linien für 2018 gesprochen. Zum Einstieg wollte ich aber zunächst wissen: Was waren 2017 die größten Erfolge der MPG?

Der tiefe Fall des Paolo Macchiarini: Vom Star-Chirurg zum Scharlatan

Als der italienische Chirurg Paolo Macchiarini seinen Patienten am Karolinska Institut in Stockholm erstmals künstliche Luftröhren einsetzte, wurde das als medizinische Sensation gefeiert. Doch nach und nach mehrten sich Zweifel an der Integrität des Forschers. Keine Ethikkommission hatte Macchiarinis Experimente genehmigt – und er hatte das neue Verfahren zuvor nicht einmal in Tierversuchen getestet. Ein externes Gutachten soll nun zur Aufarbeitung des Forschungsskandals in Schweden beitragen. Der Ex-Charité-Chef Prof. Detlev Ganten ist einer der Autoren. Im Deutschlandfunk-Interview erklärt er, wie er und sein schwedischer Kollegen vorgegangen sind, um sich ein Bild vom Fall Macchiarini zu machen.

„Glyphosat war und ist zu billig“

Eine Behörde der Weltgesundheitsorganisation kam 2015 zu dem Schluss, Glyphosat sei „wahrscheinlich krebserregend“. Eine andere WHO-Behörde dagegen befand daraufhin, es sei unwahrscheinlich, dass das Pflanzengift für Menschen ein gesundheitliches Risiko darstelle. Eine Einschätzung, der sich das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA und dann auch die EU-Chemikalienagentur ECHA angeschlossen haben. Obwohl Glyphosat bei korrektem Gebrauch also vermutlich keine Riesenbedrohung darstellt, haben über 1,3 Millionen Menschen eine Petition gegen eine Verlängerung der EU-Lizenz unterzeichnet. Die EU-Parlamentarier in Straßburg haben deshalb gestern mehrheitlich gefordert, den umstrittenen Unkrautvernichter in spätestens fünf Jahren aus dem Verkehr zu ziehen. Doch das letzte Wort hat die EU-Kommission. Und die hat das heiße Eisen heute einmal mehr vertagt.

Dr. Horst-Henning Steinmann arbeitet am Zentrum für Biodiversität und nachhaltige Landnutzung der Universität Göttingen und kennt sich mit den Chancen und Risiken von Glyphosat gut aus. War er überrascht, dass die EU-Kommission ihr Verdikt schon wieder verschoben hat?

Deutschlandfunk, Forschung Aktuell, 25.10.2017