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Rescue Horizon Europe: Feilschen um die Forschungsförderung der EU

Das 9. EU-Forschungsrahmenprogramm ‚Horizon Europe‘ ist in Brüssel unter die Räder gekommen. 2018 waren im Haushaltsentwurf noch rund 94 Milliarden Euro dafür vorgesehen. Nach dem EU-Ratsgipfel im Juli 2020 war diese Summe – wegen knapper Kassen aufgrund der Corona-Pandemie – auf 80 Milliarden Euro geschrumpft: Ein Minus von 15 Prozent. Unterm Strich stand damit kaum mehr als beim auslaufenden 8. EU-Forschungsrahmenprogramm ‚Horizon 2020.‘ Das sei zu wenig, kritisiert Dr. Jan Wöpking, der Geschäftsführer des deutschen Universitätsverbundes German-U15:

„Wenn Europa ein weltweit führender Wissenschafts- und Innovationsstandort sein will, muss sich das auch stärker finanziell abbilden. Und da sagen eigentlich alle Experten: Dafür reichten diese Summen nicht. 2017 gab es diese Expertenkommission unter Pascal Lamy, und die hat gesagt: Wir brauchen 120 Milliarden Minimum, sonst verliert Europa an Schwung und wir kriegen unsere eigenen Ziele nicht erreicht.“

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Künstliche Intelligenz: EU-Expertengremium erarbeitet ethische Leitplanken

Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz birgt große Chancen – aber auch Risiken. Um Missbrauch zu verhindern, hat die EU-Kommission ein Expertengremium beauftragt, ethische Leitplanken für KI-Systeme zu entwerfen. Der Philosoph Thomas Metzinger war Mitglied des Beratergremiums. Im Interview mit dem Deutschlandfunk wertet der Philosoph das Ergebnis zwar durchaus kritisch, aber dennoch als wichtigen Schritt, der weltweit Maßstäbe setzt. „Europa hat die geistige Führung übernommen“, so Metzinger.

„Glyphosat war und ist zu billig“

Eine Behörde der Weltgesundheitsorganisation kam 2015 zu dem Schluss, Glyphosat sei „wahrscheinlich krebserregend“. Eine andere WHO-Behörde dagegen befand daraufhin, es sei unwahrscheinlich, dass das Pflanzengift für Menschen ein gesundheitliches Risiko darstelle. Eine Einschätzung, der sich das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA und dann auch die EU-Chemikalienagentur ECHA angeschlossen haben. Obwohl Glyphosat bei korrektem Gebrauch also vermutlich keine Riesenbedrohung darstellt, haben über 1,3 Millionen Menschen eine Petition gegen eine Verlängerung der EU-Lizenz unterzeichnet. Die EU-Parlamentarier in Straßburg haben deshalb gestern mehrheitlich gefordert, den umstrittenen Unkrautvernichter in spätestens fünf Jahren aus dem Verkehr zu ziehen. Doch das letzte Wort hat die EU-Kommission. Und die hat das heiße Eisen heute einmal mehr vertagt.

Dr. Horst-Henning Steinmann arbeitet am Zentrum für Biodiversität und nachhaltige Landnutzung der Universität Göttingen und kennt sich mit den Chancen und Risiken von Glyphosat gut aus. War er überrascht, dass die EU-Kommission ihr Verdikt schon wieder verschoben hat?

Deutschlandfunk, Forschung Aktuell, 25.10.2017