Kurzbeiträge 2019

Im Reich der Regenwürmer: Ökologen machen globale Inventur im Boden

Regenwürmer wirken im Verborgenen und leisten wichtige Beiträge zum Funktionieren der Ökosysteme. In einer konzertierten Aktion unter Federführung deutscher Bodenökologen haben Wissenschaftler nun erstmals eine globale Inventur der Regenwurmpopulationen gemacht. In die Studie, publiziert am 24. Oktober 2019 im Fachmagazin Science, flossen Daten von 6.928 Standorten aus 57 Ländern ein. Professor Nico Eisenhauer vom Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung in Leipzig war an der umfassenden Datenanalyse beteiligt. Im Interview für den Deutschlandfunk erklärte er, welche neuen Einsichten er und seine Kollegen anhand des enormen Datenschatzes gewonnen haben.

Jenaer Erklärung: Der Begriff ‚Menschenrasse‘ hat keine biologische Grundlage

Bei der Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft haben rund 500 Forscher am 10. September 2019 die Jenaer Erklärung verabschiedet. Darin plädieren die Wissenschaftler dafür, den Begriff ‚Menschenrasse‘ künftig aus unserem Sprachgebrauch zu verbannen – weil es für das Konzept von Rassen keinerlei wissenschaftliche Grundlage gibt. Im dritten Reich hatten viele Forscher das noch anders gesehen, und – unter anderem unter Berufung auf die Arbeiten des berühmten Jenaer Zoologie-Professors Ernst Haeckel – die nationalsozialistische Rassenlehre begründet. Professor Martin Fischer vom Institut für Zoologie und Evolutionsforschung der Uni Jena, der die Jenaer Erklärung mit verfasst hat, erklärte im Interview für den Deutschlandfunk, warum man damals völlig daneben lag – und was man heute alles besser weiß.

Volker Quaschning: „Wir brauchen ein von allen akzeptiertes Energiekonzept.“

Der Ausbau der Windenergie in Deutschland ist faktisch zum Stillstand gekommen. Der Grund: Veränderte wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen haben es zunehmend schwerer und unattraktiver gemacht, neue Windräder aufzustellen. Weil das die Energiewende gefährdet, wollte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier Abhilfe schaffen und lud am 5. September 2019 in Berlin zum Windenergiegipfel. Gemeinsam mit Vertretern aus Industrie und Verbänden versuchte er dort ausloten, wie die Rahmenbedingungen verändert werden müssten, damit es in Deutschland wieder zügiger vorangeht mit dem Bau neuer Windparks. Volker Quaschning, Professor für regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, hatte aus diesem Anlass ein paar Tipps für den Minister parat. Welche? Erklärte er im Interview für den Deutschlandfunk.

Künstliche Intelligenz: EU-Expertengremium erarbeitet ethische Leitplanken

Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz birgt große Chancen – aber auch Risiken. Um Missbrauch zu verhindern, hat die EU-Kommission ein Expertengremium beauftragt, ethische Leitplanken für KI-Systeme zu entwerfen. Der Philosoph Thomas Metzinger war Mitglied des Beratergremiums. Im Interview mit dem Deutschlandfunk wertet der Philosoph das Ergebnis zwar durchaus kritisch, aber dennoch als wichtigen Schritt, der weltweit Maßstäbe setzt. „Europa hat die geistige Führung übernommen“, so Metzinger.

Kritik der Lungenfachärzte an NOx-Grenzwerten ist unbegründet

Der Schweizer Experte für Gesundheitsrisiken durch Luftschadstoffe, Professor Nino Künzli, hat die Initiative deutscher Lungenfachärzte gegen Grenzwerte im Deutschlandfunk kritisiert. Keiner der 112 Unterzeichnenden hätte Expertise auf dem Gebiet der Epidemiologie, sagte er im Interview: „Das sind alles Laien.“ Ihr Positionspapier sei daher „unwissenschaftlich“, ihre Vorwürfe nicht fundiert.

Üble Nachrede bleibt hängen – und beeinflusst unser Urteil mehr als uns lieb sein kann

Forscher am Institut für Psychologie der Berliner Humboldt-Universität haben die Gehirnaktivität von Versuchspersonen erfasst, während diese Informationen mit negativen oder neutralen Inhalten zu ihnen unbekannten Gesichtern erhielten. Als die Probanden im Anschluss gebeten wurden, die Unbekannten zu beurteilen, stellte sich heraus: Ihr Verdikt fiel oft überraschend hart aus – obwohl ihnen bewusst war, dass es allein auf Gerüchten basierte. „Trotz weicher Evidenz fällen wir oft harte Urteile“, erklärt die Neurowissenschaftlerin Prof. Rasha Abdel Rahman im Dlf-Interview.