Radio

Besuch beim Solarturmkraftwerk Gemasolar in Andalusien

Schnell, informativ, unterhaltsam, authentisch: Das sind die Stärken des Mediums Radio – und Stimmen, Geräusche, Musik die  Werkzeuge des Hörfunkreporters.

Das Ergebnis im Idealfall: Kino im Kopf.

Zum Beispiel in Form von Sendereihen, Reportagen und Kurzbeiträgen, die neue Entwicklungen und Erkenntnisse aus Naturwissenschaft und Technik auf den Punkt bringen und akustisch einprägsam vermitteln – inklusive ihrer Relevanz und gesellschaftlichen Implikationen.

Hier gibt’s Hörproben aus den vergangenen 10 Jahren.

Covid-19: „Eine stille Pandemie“

Der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit forscht am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg
„Es ist nicht gelungen, den Ausbruch des neuen Coronavirus auf China zu begrenzen. Man wird ihn nicht mehr ganz aufhalten können, aber zumindest verlangsamen, dass die Intensivstationen nicht alle auf einmal überlastet werden – sondern dass man das über einen längeren Zeitraum zieht und somit die Patienten auch alle noch gut behandeln kann.

Es kann durchaus sein, dass wir schon seit zwei Wochen Coronavirusinfektionen in Deutschland haben. Nur es hat niemand bemerkt, weil natürlich in einer Vielzahl der Fälle diese Infektion nur mit einer sehr leichten Symptomatik verläuft – wie ein Schnupfen oder asymptomatisch – und gar nicht bemerkt wird. Die Leute werden sich da natürlich nicht testen lassen. Insofern ist es durchaus denkbar, dass das Virus schon einige Tage in Deutschland zirkuliert und jetzt auch die Fälle in Nordrhein-Westfalen oder in Baden-Württemberg nur die Spitze vom Eisberg sind.“ Der Virologe Prof. Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg im Interview für den Deutschlandfunk.

Neues Coronavirus: „Die Mortalität ist nicht so hoch wie bei SARS“

Mitte Januar sieht Prof. Lars Schaade, der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts, angesichts des neuen Coronavirus, das in China grassiert, noch keinen Grund zu übermäßiger Sorge. Im Interview im Deutschlandfunk erklärt er: „Wir kennen das Virus erst seit knapp drei Wochen. Wir sehen jetzt etwas mehr als 200 Fälle, davon drei Todesfälle. Ein großer Unsicherheitsfaktor dabei ist: Hat man alle Fälle bisher erfasst? Es kommen ja im Laufe des Tage immer noch weitere dazu. Was wir jetzt sehen, ist erst der Anfang. Das ist in gewisser Weise beruhigend, weil es nicht sehr viele Todesfälle gibt, aber das kann sich in beide Richtungen natürlich noch entwickeln.“

ESA-Generaldirektor Jan Wörner erklärt, welche Missionen 2020 geplant sind

Johann-Dietrich Wörner ist seit 2015 ESA-Generaldirektor (Foto: ESA–Philippe Sebirot, 2015)

Die europäische Raumfahrtagentur ESA hat sich viel vorgenommen für das Jahr 2020: Sie will den Sonnenwind untersuchen, einen Rover zum Mars schicken und einen Erdbeobachtungssatelliten starten, um den Anstieg der Meeresspiegel präzise zu vermessen.

Um die Öffentlichkeit über die geplanten Highlights zu informieren, stand die Führungsriege der ESA heute vormittag in Paris zwei Stunden lang Journalisten Rede und Antwort. Es war die traditionelle Pressekonferenz zum Jahresauftakt, bei der ESA-Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner und seine Leute Einblicke gaben, welche Missionen anstehen und was man sich davon verspricht. Der deutsche Ingenieur ‚Jan‘ Wörner ist seit 1. Juli 2015 Chef der ESA – und gab dem Deutschlandfunk direkt im Anschluss ein Interview.

Die darin erwähnte Mission ExoMars, deren zweiter Teil ursprünglich im August 2020 abheben sollte, wurde zwischenzeitlich allerdings um zwei Jahre verschoben – wegen der Folgen der Corona-Pandemie.

Im Reich der Regenwürmer: Ökologen machen globale Inventur im Boden

Regenwürmer wirken im Verborgenen und leisten wichtige Beiträge zum Funktionieren der Ökosysteme. In einer konzertierten Aktion unter Federführung deutscher Bodenökologen haben Wissenschaftler nun erstmals eine globale Inventur der Regenwurmpopulationen gemacht. In die Studie, publiziert am 24. Oktober 2019 im Fachmagazin Science, flossen Daten von 6.928 Standorten aus 57 Ländern ein. Professor Nico Eisenhauer vom Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung in Leipzig war an der umfassenden Datenanalyse beteiligt. Im Interview für den Deutschlandfunk erklärte er, welche neuen Einsichten er und seine Kollegen anhand des enormen Datenschatzes gewonnen haben.

Jenaer Erklärung: Der Begriff ‚Menschenrasse‘ hat keine biologische Grundlage

Bei der Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft haben rund 500 Forscher am 10. September 2019 die Jenaer Erklärung verabschiedet. Darin plädieren die Wissenschaftler dafür, den Begriff ‚Menschenrasse‘ künftig aus unserem Sprachgebrauch zu verbannen – weil es für das Konzept von Rassen keinerlei wissenschaftliche Grundlage gibt. Im dritten Reich hatten viele Forscher das noch anders gesehen, und – unter anderem unter Berufung auf die Arbeiten des berühmten Jenaer Zoologie-Professors Ernst Haeckel – die nationalsozialistische Rassenlehre begründet. Professor Martin Fischer vom Institut für Zoologie und Evolutionsforschung der Uni Jena, der die Jenaer Erklärung mit verfasst hat, erklärte im Interview für den Deutschlandfunk, warum man damals völlig daneben lag – und was man heute alles besser weiß.

Volker Quaschning: „Wir brauchen ein von allen akzeptiertes Energiekonzept.“

Der Ausbau der Windenergie in Deutschland ist faktisch zum Stillstand gekommen. Der Grund: Veränderte wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen haben es zunehmend schwerer und unattraktiver gemacht, neue Windräder aufzustellen. Weil das die Energiewende gefährdet, wollte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier Abhilfe schaffen und lud am 5. September 2019 in Berlin zum Windenergiegipfel. Gemeinsam mit Vertretern aus Industrie und Verbänden versuchte er dort ausloten, wie die Rahmenbedingungen verändert werden müssten, damit es in Deutschland wieder zügiger vorangeht mit dem Bau neuer Windparks. Volker Quaschning, Professor für regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, hatte aus diesem Anlass ein paar Tipps für den Minister parat. Welche? Erklärte er im Interview für den Deutschlandfunk.

Künstliche Intelligenz: EU-Expertengremium erarbeitet ethische Leitplanken

Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz birgt große Chancen – aber auch Risiken. Um Missbrauch zu verhindern, hat die EU-Kommission ein Expertengremium beauftragt, ethische Leitplanken für KI-Systeme zu entwerfen. Der Philosoph Thomas Metzinger war Mitglied des Beratergremiums. Im Interview mit dem Deutschlandfunk wertet der Philosoph das Ergebnis zwar durchaus kritisch, aber dennoch als wichtigen Schritt, der weltweit Maßstäbe setzt. „Europa hat die geistige Führung übernommen“, so Metzinger.

Kritik der Lungenfachärzte an NOx-Grenzwerten ist unbegründet

Der Schweizer Experte für Gesundheitsrisiken durch Luftschadstoffe, Professor Nino Künzli, hat die Initiative deutscher Lungenfachärzte gegen Grenzwerte im Deutschlandfunk kritisiert. Keiner der 112 Unterzeichnenden hätte Expertise auf dem Gebiet der Epidemiologie, sagte er im Interview: „Das sind alles Laien.“ Ihr Positionspapier sei daher „unwissenschaftlich“, ihre Vorwürfe nicht fundiert.

Üble Nachrede bleibt hängen – und beeinflusst unser Urteil mehr als uns lieb sein kann

Forscher am Institut für Psychologie der Berliner Humboldt-Universität haben die Gehirnaktivität von Versuchspersonen erfasst, während diese Informationen mit negativen oder neutralen Inhalten zu ihnen unbekannten Gesichtern erhielten. Als die Probanden im Anschluss gebeten wurden, die Unbekannten zu beurteilen, stellte sich heraus: Ihr Verdikt fiel oft überraschend hart aus – obwohl ihnen bewusst war, dass es allein auf Gerüchten basierte. „Trotz weicher Evidenz fällen wir oft harte Urteile“, erklärt die Neurowissenschaftlerin Prof. Rasha Abdel Rahman im Dlf-Interview.

Generationsunterschiede? Existieren gar nicht, sagt ein Soziologe aus Marburg

Ob Generation X oder Y, ob 1968er oder Baby-Boomer – in ihren Lebenszielen und Wertvorstellungen unterscheiden sich die Angehörigen dieser Altersgruppen kaum. Zu diesem Schluss kommt der Soziologe Prof. Martin Schröder von der Universität Marburg in einer großangelegten Studie. Sind die viel zitierten Generationsunterschiede also nur eine Mär? Ist die Differenzierung zwischen Babyboomern, 68ern, und Mitgliedern der Generationen X und Y soziologisch gesehen Kokolores? Das habe ich Martin Schröder im Dlf-Interview gefragt.